Was der EU AI Act für die Kennzeichnung von KI-Inhalten verlangt
Die Anforderungen selbst stammen aus Artikel 50 des AI Act und gelten ab dem 2. August 2026 verbindlich. Der am 10. Juni veröffentlichte Code ist freiwillig: Unternehmen, die ihn unterzeichnen, können ihn als Nachweis der Rechtskonformität nutzen; wer eigenständig vorgeht, muss die Angemessenheit der Maßnahmen gegenüber Regulierungsbehörden separat belegen.
Im Code sind die Anforderungen nach Teilnehmertyp gegliedert:
| Wer |
Was der Code verlangt |
| Modellanbieter |
Output (Text, Bild, Audio, Video) maschinenlesbar markieren und als KI-generiert erkennbar machen |
| Deployer — Verlage und Plattformen |
Deepfakes und KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse kennzeichnen |
Für das sichtbare Label veröffentlichte die EU sogar ein offizielles Icon-Set, damit die Kennzeichnung plattformübergrehend gleich aussieht. Insgesamt hat Kennzeichnung zwei Schichten: eine maschinelle für Plattformen und Systeme und eine sichtbare für Menschen. Und es gibt zwei Details, die in Schlagzeilen meist untergehen.
Wo KI-Kennzeichnungsregeln enden: die redaktionelle Ausnahme
Das erste Detail betrifft Anbieter. Die maschinelle Markierung ist nicht bedingungslos vorgeschrieben, sondern „soweit technisch machbar“. Die Autoren der Regeln gehen also selbst davon aus, dass maschinelle Markierung technische Grenzen hat — und schreiben das in den Wortlaut.
Das zweite Detail ist wichtiger und betrifft Redaktionen direkt. KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse müssen nicht gekennzeichnet werden, wenn sie eine menschliche Prüfung durchlaufen und unter redaktioneller Verantwortung veröffentlicht werden. Lesen Sie das noch einmal: Der Regulator selbst nimmt redaktionell geprüftes Material aus der Pflichtkennzeichnung heraus. Im Wesentlichen sagt er dasselbe wie jede Chefredakteurin: Wer den Text geprüft und veröffentlicht hat, trägt die Verantwortung.

Das Label beantwortet also eine Sache — wer geschrieben hat. Ob Sie ihm vertrauen sollten, ist eine separate Frage.
Warum ein KI-Label einen Text nicht vertrauenswürdiger macht
Die Frage ist einfach: Wenn Sie den Leser ehrlich warnen, dass KI den Text geschrieben hat — wird der Text weniger überzeugend? Die Intuition sagt ja — ein Mensch sollte vorsichtiger werden und weniger vertrauen. Genau das wurde getestet.
Gallegos und Kolleginnen (PNAS Nexus, 2026) nahmen überzeugende Argumentationstexte zu kontroversen öffentlichen Themen und zeigten sie 1.601 Amerikanerinnen und Amerikanern. Derselbe Text erschien mit unterschiedlichem Autorenschafts-Label:
- „geschrieben von KI“,
- „geschrieben von einer menschlichen Expertin“,
- gar kein Label.
Nur das Label änderte sich; der Text blieb identisch. Nach dem Lesen maßen die Forscher, wie stark sich die Meinung zum Thema verschob.
Die Argumente überzeugten: Im Schnitt verschoben sie die Meinung um etwa 9,74 Punkte auf einer 100-Punkte-Skala. Aber das Label hatte keinen Effekt — die Version „geschrieben von KI“ wirkte genauso wie „menschliche Expertin“ und wie kein Label. Und die Menschen glaubten dem Label: 92 % hielten es für wahr, also lasen sie es nicht einfach über. Sie glaubten, KI habe den Text geschrieben — und ließen sich trotzdem überzeugen. Ebenso unverändert blieben, wie korrekt die Leser den Text fanden und wie bereit sie waren, ihn zu teilen. KI-Desinformation wirkt oft glaubwürdiger als menschliche — Kennzeichnung allein schützt nicht davor.
Es läuft auf eines hinaus: Das „KI“-Label meldet ehrlich die Herkunft, macht den Leser aber nicht vorsichtiger und mindert die Wirkung des Textes nicht. Transparenz ja — Schutz vor Überzeugung nein.
Was Sie vor den Kennzeichnungsregeln im August tun sollten
Die Kennzeichnung müssen Sie ohnehin anwenden — das verlangt das Gesetz. Der Beitritt zum Code (vollständiger Name: Code of Practice on transparency of AI-generated content) ist freiwillig; als Erstes entscheiden Sie, ob Sie unterschreiben. Wenn ja, lesen Sie die Bedingungen und reichen Sie das Formular ein — Formular und Anleitung stehen auf der Website der Europäischen Kommission. Für Unterzeichner erleichtert das den Nachweis der Compliance.
Aber das Wichtigste ist etwas anderes. Labels machen einen Text nicht besonders. Ein Artikel oder Post funktioniert nicht besser oder schlechter, nur weil er ein Label trägt oder nicht. Inhalte liefern Ergebnisse, wenn Profis sie erstellen. Und ein KI-Detektor wie It's AI ist ein weiteres Tool, das jede Redaktion nutzen sollte, die KI-Inhalte über Labels hinaus verifizieren und Qualitätstexte veröffentlichen will — besonders angesichts globaler KI-Vorfall-Trends, die die Regulierung mitbegründen.
FAQ: KI-Textkennzeichnung unter dem EU AI Act
Wann treten die Kennzeichnungsregeln des EU AI Act in Kraft?
Die Transparenzregeln des EU AI Act für KI-Inhalte treten am 2. August 2026 gemäß Artikel 50 in Kraft. Ab diesem Datum müssen Deployer KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse kennzeichnen, und Anbieter müssen KI-generierten Output maschinenlesbar markieren, damit er als KI erkennbar bleibt. Der EU Code of Practice vom 10. Juni 2026 erklärt, wie diese Pflichten praktisch erfüllt werden. Die Regeln gelten für jeden Anbieter oder Deployer, der EU-Nutzer bedient — unabhängig von der Modalität: Text, Bild, Audio oder Video.
Ist der EU Code of Practice zu KI-generierten Inhalten verbindlich oder freiwillig?
Der Code of Practice on AI-generated content ist freiwillig; die Artikel-50-Pflichten, die er unterstützt, sind verbindlich. Die Unterzeichnung erlaubt Anbietern und Deployern, ihn als Nachweis der Rechtskonformität zu nutzen. Ein Unternehmen, das aussteigt, muss Artikel 50 dennoch erfüllen, aber die Angemessenheit eigener Maßnahmen separat gegenüber Regulierungsbehörden belegen. Die Frage ist also nicht, ob KI-Inhalte gekennzeichnet werden — sondern ob Sie den Weg des Codes zum Compliance-Nachweis gehen oder eigene Dokumentation vorlegen.
Wer muss KI-generierte Inhalte unter dem EU AI Act kennzeichnen?
Unter dem EU AI Act müssen zwei Parteien handeln: Modellanbieter und Deployer (Verlage und Plattformen). Anbieter markieren KI-generierten Output maschinenlesbar, damit der Inhalt als KI erkennbar bleibt. Deployer fügen die sichtbare KI-Offenlegung hinzu, die Menschen tatsächlich sehen: Sie kennzeichnen Deepfakes und KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse — mit dem offiziellen EU-Icon-Set für ein einheitliches Erscheinungsbild. Kurz: Markierung ist der maschinenlesbare Tag des Anbieters in der Datei; Kennzeichnung ist das für Menschen sichtbare Signal des Deployers auf der Seite.
Was zählt unter dem EU AI Act als „synthetischer Inhalt“?
„Synthetischer Inhalt“ ist jeder Text, jedes Bild, Audio oder Video, das von KI erzeugt oder manipuliert wurde. Gemäß Artikel 50 müssen Anbieter solchen Output maschinenlesbar markieren, damit er als KI-generiert erkennbar bleibt — soweit technisch machbar. Die Pflicht zum sichtbaren Label ist enger: Deployer kennzeichnen Deepfakes und KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse, nicht jede KI-unterstützte Datei. Die Markierungspflicht gilt also breit für synthetischen Inhalt, das sichtbare KI-Label nur für Inhalte, die die Öffentlichkeit irreführen könnten.
Was bedeutet „KI-Text zu Themen von öffentlichem Interesse“?
„KI-Text zu Themen von öffentlichem Interesse“ ist KI-generierter Text, der veröffentlicht wird, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlicher Bedeutung zu informieren. Gemäß Artikel 50 ist das die Kategorie, für die der EU AI Act eine sichtbare KI-Offenlegung vorsieht — die Pflicht trifft Deployer: Verlage und Plattformen, die den Text den Lesern präsentieren. Private oder interne KI-unterstützte Texte sind nicht erfasst, nur Publikationen im öffentlichen Interesse. Der Wortlaut zählt, weil er die Grenze zieht, wo das sichtbare KI-Label tatsächlich vorgeschrieben ist.